Die Grundlage systemischen Denkens liegt in einer einfachen, aber folgenreichen Unterscheidung: der zwischen System und Umwelt. Sie verlangt, dass f?r unterschiedliche Arten von Systemen unterschiedliche System-Umwelt-Unterscheidungen getroffen werden. Biologische, psychische und soziale Prozesse stehen in wechselseitiger Beziehung zueinander: Wo die Aufmerksamkeit auf psychische Systeme fokussiert, sind soziale und biologische Systeme jeweils Umwelten. Wo soziale Systeme in den Fokus genommen werden, sind psychische und biologische Systeme Umwelten. Es ist nicht m?glich, eine Unterscheidung zu fassen, die allen anderen Unterscheidungen zugrunde l?ge oder diese von ihr herleiten lie?e - au?er eben der formalen und allgemeinen zwischen System(en) und Umwelt(en).
Dieser Ansatz wird h?ufig als Provokation erlebt, scheint er doch die Idee des ganzen Menschen und einer menschlichen Identit?t aufzugeben oder aktiv zu unterlaufen. Welche gro?en Chancen zu hilfreichen Einsichten und welche enormen Grade an Eigenwirksamkeit aber gerade in dieser methodischen Fragmentierung liegen, arbeitet Fritz B. Simon in diesem Buch klar und transparent heraus. F?r Arbeitsfelder wie Psychotherapie, Psychiatrie, Coaching, Organisationsberatung und - last not least - b?rgerschaftliches Engagement erm?glicht es eine im wahrsten Sinne aufgekl?rte Haltung. Man k?nnte sagen: Drunter ist es nicht zu haben. Aber der Einsatz lohnt sich.
"Formen" ist ein Buch f?r Menschen, die Lust am genauen und seine eigenen Folgen reflektierenden Denken haben.
Der Autor:
Fritz B. Simon, Dr. med., Professor f?r F?hrung und Organisation am Institut f?r Familienunternehmen der Universit?t Witten/Herdecke; Systemischer Organisationsberater, Psychiater, Psychoanalytiker und systemischer Familientherapeut; Mitbegr?nder der Simon Weber Friends Systemische Organisationsberatung GmbH. Autor bzw. Herausgeber von ca. 300 wissenschaftlichen Fachartikeln und 34 B?chern, die in 15 Sprachen ?bersetzt sind, u. a.: Der Proze? der Individuation (1984), Die Sprache der Familientherapie (1984, mit Helm Stierlin und Ulrich Clement), Lebende Systeme (1988), Unterschiede, die Unterschiede machen (1988), Meine Psychose, mein Fahrrad und ich (1990), Radikale Marktwirtschaft (1992, mit CONECTA), Die andere Seite der Gesundheit (1995), Die Kunst, nicht zu lernen (1997), Zirkul?res Fragen (1999, mit Christel Rech-Simon), T?dliche Konflikte (2001), Die Familie des Familienunternehmens (2002), Gemeinsam sind wir bl?d!? (2004), Mehr-Generationen-Familienunternehmen (2005, mit Rudi Wimmer und Torsten Groth), Einf?hrung in Systemtheorie und Konstruktivismus (2006), Einf?hrung in die systemische Organisationstheorie (2007), Einf?hrung in die systemische Wirtschaftstheorie (2009), Vor dem Spiel ist nach dem Spiel. Systemische Aspekte des Fu?balls (2009), Einf?hrung in die Systemtheorie des Konflikts (2010), "Zhong De Ban" oder: Wie die Psychotherapie nach China kam (2011, mit Margarete Haas-Wiesegart und Zhao Xudong), Einf?hrung in die Theorie des Familienunternehmens (2012), Wenn rechts links ist und links rechts (2013), Einf?hrung in die (System-)Theorie der Beratung (2014), Formen. Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen (2018), Anleitung zum Populismus oder: Ergreifen Sie die Macht! (2019), Der Streit ums Nadel?hr. K?rper, Psyche, Soziales, Kultur. Wohin schauen systemische Berater? (2019, mit J?rgen Kriz), Lockdown: Das Anhalten der Welt (2020, mit Heiko Kleve und Steffen Roth), Formen (reloaded). Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen (2022), Stalin und der Apparat. Die Organisation der Diktatur und die Psyche des Diktators (2023), Die kommenden Diktaturen (2024).